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Geschichte des Schachspiels

(DM) Kein anderes Spiel der Welt genießt eine so starke Wertschätzung, ist so weit verbreitet und weist eine so große Vielfalt an Möglichkeiten auf, wie das Schachspiel. Die Ursprünge seiner Entstehung werden in zahlreichen Mythen und Legenden beschrieben, liegen jedoch bis auf den heutigen Tag weitgehend im Dunkeln. Es gilt als sicher, daß das "königliche Spiel" keinem einzelnen Erfinder zugeschrieben werden kann, sondern eine logische Weiterentwicklung im Laufe seiner etwa 2000-jährigen Geschichte genommen hat.


Anfänge des Schachs im Abendland

Die ältesten schriftlichen überlieferungen stammen aus dem 7. Jh. n. Ch. von dem indischen Dichter Bana. Er lebte am Hofe des Königs Sriharscha (606-647) und rühmte in einem seiner Verse seinen Herrscher als einen Friedensfürst, unter dessen Regentschaft es nur Streit unter den Bienen um den Nektar der Blüten gegeben habe und Heere (Tschaturanga) nur auf den 64 Feldern des Schachbretts aufmarschiert wären. Der Sanskritausdruck für Schach, Tschaturanga (tschatur = vier, anga = Teil), weist eindeutig auf die Herkunft von den vier indischen Waffengattungen zu jener Zeit hin, die Vorbild für unsere Schachfiguren wurden. Das Spiel war damals in Indien schon weit verbreitet und entstand wahrscheinlich aus einer Art "Urschach", dessen Spuren bis in vorchristliche Jahrhunderte zurückreichen. Von Indien gelangte das Schachspiel sowohl nach Ostasien als auch in den vorderen Orient. Die übernahme durch die Perser erfolgte unter der Herrschaft des Sassanidenschahs Chosrau I. (531-579); vermutlich hatte es sein Leibarzt und Erster Minister Burzoe von einer Indienreise mitgebracht. Die Perser behielten die alten indischen Bezeichnungen bei, aus Tschaturanga wurde das sprachlich verwandte Tschatrang. Griff man den König an, hatte man respektvoll "Shah" (das persische Wort für König) zu rufen. War der König besiegt, so rief man "shahmat" (mat = hilflos). Den Persern war nicht viel Zeit beschienen, das Schachspiel weiterzuentwickeln, denn bereits im Jahre 641 floh der letzte Perserkönig aus dem Geschlecht der Sassaniden vor den kampferprobten Arabern und verlor sein Reich.

Auf vielen Gebieten des Wissens erfahren, offenbarten die Araber im Schach, das sie Schatrandsch nannten, ihre Phantasie und Findigkeit. Sie bereicherten es um neue Gedanken und waren bis zum 15. Jh. in diesem Spiel führend. Viele Schachbücher entstanden und die Berührungspunkte des Spiels mit der Mathematik wurden erforscht. Erste Schachmeister erlangten Berühmtheit (Al-Adli, Ar-Razi, As-Suli). Außerordentlich beliebt waren die sogenannten Mansuben, problemartige Endspielstellungen mit mehrzügigem Matt. Das innere Wesen des Spiels war in vielfältiger Weise schon vorgegeben, obwohl die Figuren anders zogen, anders hießen und die Figurenaufstellung bei Spielbeginn je nach Charakter der zu spielenden Partie ganz anders war, als die Europäer es spielen sollten.


Mittelalterliches Schach in Europa

Die Araber beherrschten seit dem 8. Jh. nicht nur die iberische Halbinsel, sondern auch Sizilien und Sardinien. Die Berührung mit der arabischen Kultur und Zivilisation hat Europa unglaublich bereichert. Auch das Schach kam durch ihre Vermittlung nach Europa. Das erste Werk, das sich in Westeuropa dem Spiel widmete, erschien in Spanien. Es ist das 'Buch vom Schach-, Würfel- und Brettspiel' von 1283, das sogenannte Alfonso-Manuskript. Im 11. Jh. war das Spiel in Europa bereits allgemein bekannt. Mehrere Ausbreitungswege kommen dabei in Betracht. Nicht nur über Sizilien und Unteritalien, wo der arabische Kultureinfluß groß blieb, mag das Spiel nach Norden gelangt sein. Auch über Kleinasien und den Balkan, das Byzantinische Reich und über die Handelswege von Mittelasien durch die südrussischen Steppen, das frühe Rußland, drang das Spiel nach Mitteleuropa. Kurze Zeit war das Schachspiel im Mittelalter verpönt, weil es dem Würfelspiel gleichgesetzt und in Verruf gebracht worden war. Geistlichkeit und Fürsten verboten das Spiel. Kardinal Petrus Damiani schrieb im Jahre 1061 einen Brief an den Papst, worin er gegen das Schachspiel moralisierte. Später aber förderte die Kirche das Schachspiel wieder, wobei es besonders in Klöstern gepflegt und erforscht wurde. Adelige und Ritter teilten die Vorliebe für dieses Spiel. In der Skala geistiger Werte nahm das Schachspiel einen hohen Platz ein und gehörte zu den sieben Künsten, die ein Ritter beherrschen mußte.


Die mittelalterliche Schachreform

Während des 15. Jh. erfährt das alte arabische und mittelalterliche Schach eine Modifikation in der Gangart zweier seiner Figuren. Der Läufer bewegt sich statt des begrenzten Sprungs auf dritte Feld fortan frei auf den Diagonalen. Und der arabische 'Farzin', der Berater des Königs, wandelt sich in die mächtigste Figur, die Dame, um. Diese vereint nun in sich die Beweglichkeit des Turms und des neuen Läufers. Die Folgen für Taktik und Strategie des Spiels sind gewaltig, das Schachspiel erobert von da an eine neue technische Dimension, was sein überleben bis in unsere Tage bewirkt hat.


Das moderne Schach

Es sollte aber noch Jahrhunderte dauern, bis Wilhelm Steinitz am Ende des 19. Jh. die positionellen Grundlagen des modernen Schachs ausarbeitete. Ein Wegbereiter hierfür war der französische Schachmeister André Philidor (1726-1795), der auch als Musiker und Komponist bekannt war, und der den positionellen Grundsatz "Die Bauern sind die Seele des Spiels" prägte, worin man auch einen Ausdruck des politischen Denkens seiner Zeit erkennen kann. Das Turniergeschehen beherrschten bis dahin waghalsige Kombinationsspieler wie Louis Charles de la Bourdonnais, Howard Staunton, Paul Morphy und Adolf Anderssen. Wurde das Schach im Mittelalter überwiegend an den Fürstenhöfen gespielt, so eroberte es in der zweiten Hälfte des 18. Jh. die Kaffeehäuser. Bekannte Zentren waren das Cafe de la Regence in Paris und das Old Slaughters Coffee House in London. Im deutschsprachigen Raum bildeten sich schließlich im 19. Jh. die ersten Schachvereine, die sich 1877 im Deutschen Schachverband zusammenschlossen. Gestützt auf die organisatorische Basis der Schachvereine konnten in der ersten Hälfte des 19. Jh. in größerem Umfang Wettkämpfe veranstaltet werden. Anläßlich der 1. Weltausstellung in London im Jahre 1851 entstand der Plan, die besten Spieler der Welt einzuladen und gegeneinander spielen zu lassen - Sieger: Anderssen. Die Einbeziehung des Schachspiels in die sich entfaltende Sportbewegung führte ab 1886 zu offiziellen Kämpfen um den Titel des Schachweltmeisters. 1924 wurde der Weltschachbund FIDE gegründet, womit die Ära der systemisch organisierten Meisterschaften eingeläutet wurde.


Schachspielen ist die Kunst, stets etwas weiter vorauszudenken als der Gegner.

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